Spirituelle Avantgarde

Unser neuer Bund mit Gott

Die vielleicht spannendste Frage, die wir als Menschen auf der Erde gegenwärtig stellen können, ist jene, wie denn – nach Abraham, Moses und Jesus – der Neue Bund wohl aussähe, den wir heute mit Gott schließen würden. Denn um eine verbindliche Antwort auf diese Frage wird es gehen, wenn wir als Pioniere des Lichts die spirituelle Grundlegung eines neuen Zeitalters wirklich und wahrhaftig an-gehen wollen.

KOSMISCHER WINTER

Auf Seelenebene befinden wir uns im Anbruch des Zeitalters des Wassermann, nachdem wir das Fische-Zeitalter soeben verlassen haben. In der Vergangenheit waren derartig dramatische Zeitenwenden, die immer auch Ereignisse von kosmischen Dimensionen darstellten, stets begleitet von dem Auftreten bedeutender Menschen. Diese Persönlichkeiten verkörperten beispielhaft jenen Wandel des Bewusstseins, der dann das jeweils anbrechende Zeitalter kennzeichnete.

Folgen wir dem Zyklus des Zodiac, der seit frühester Zeit zur Vorhersage und Erklärung besonderer Ereignisse in der Evolution der Menschheit zurate gezogen wurde, so treten wir 2.000 v. Chr. mit Abraham, und in der Folge Moses, in das Zeitalter des Widder ein. Wir befinden uns hier in der Phase des kosmischen Winters. Die Geburt von Jesus 2.000 Jahre später, im Jahre 0 unserer Zeitrechnung, markiert das auf den Widder folgende Zeitalter der Fische, ebenfalls noch im kosmischen Winter. Und wiederum 2.000 Jahre später sehen wir uns in der Morgendämmerung des Wassermann-Zeitalters. Mit diesem Zeitalter treten wir ein in die Phase des kosmischen Frühlings.

DIE PERSÖNLICHE ERFAHRUNG GOTTES

Jedes dieser Seelen-Zeitalter fügt nun in der Evolution unserer Gotteserfahrung eine weitere Facette hinzu und markiert ein neues Gewahrsein von der Präsenz Gottes in uns. Abraham eröffnet das Zeitalter des Widder. Er gilt als der Stammvater der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam. Abraham festigte sein Verhältnis zu Gott soweit, dass er sich schließlich als ein »Freund Gottes« betrachten durfte. Dieser erste Bund, den ein Mensch mit Gott schließt, beruht auf striktem Gehorsam.

Durch Mose lernen wir Gott kennen als den Vater, den Gesetzgeber, als die Verkörperung der universellen Gesetze. Mit Mose erfahren wir die direkte Kommunikation mit Gott »von Angesicht zu Ange-sicht«. Durch Mose erhalten wir als Geschenk Gottes an die Menschheit die Offenbarung seines Namens: »Ich bin der ich bin« (Ex 3,14). In Mose finden wir den Menschen, der den zweiten Bund mit Gott schließt. Die Bedingung hier: Gehorche meinen Geboten.

Das auf den Widder folgende Zeitalter der Fische brachte ein Gewahrsein der Präsenz Gottes, verkörpert in der Gestalt des Jesus von Nazareth, als reine kosmische Liebe und Weisheit. Jesus zeigt uns, was es heißt, den Weg des Christus-Bewusstseins auf Erden zu gehen. Er zeigt uns, wie wir den individuellen Weg von Tod und Wiederauferstehung als Vollendung göttlicher Liebe gehen, so dass wir die Präsenz Gottes in uns realisieren können. Dies ist das ›elfte Gebot‹ (Joh 13,34), das Jesus den zehn Geboten des Mose hinzufügt. In Jesus finden wir jenen Menschen, der den dritten Bund mit Gott beschließt. Die Bedingung lautet: Liebe mich – das sei das Gesetz über all meinen Geboten.

DER KOSMISCHE FRÜHLING

Die Besonderheit des Zeitalters, das wir nun gerade betreten, liegt darin, dass wir vergleichbare Erscheinungen wie Abraham, Moses oder Jesus in der spirituellen Fundierung unseres Zeitgeschehens nicht mehr antreffen. Ganz im Gegenteil müssen wir sogar noch feststellen, dass sich die Institutionen, die auf den Lehren jener Weisen und Heiligen gründen, im Zustand der Erosion und Auflösung befinden.

Es scheint nun tatsächlich in unser aller Menschen-Hände gelegt, den voraus gegangenen Entwicklungsstufen wahrer Gottes-Erfahrung eine neue wahre Facette hinzuzufügen. Jetzt kommt es auf uns an, als Menschen zu dem zu erwachen, der wir wirklich sind. Erwachen wir also als Brüder und Schwestern hin zu Töchtern und Söhnen, zu den Kindern Gottes. Wie nun ließe sich dann unser Bund, es wäre der vierte, mit Gott formulieren?

Schließlich findet unser Start in das neue Zeitalter außerhalb kanonisierter biblischer Referenz statt – ein absolutes Novum innerhalb der jüngeren Menschheitsgeschichte. Die Heilige Schrift schließt mit dem Neuen Testament und der Offenbarung des Johannes in der Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde (Offb. 21,1) im Anschluss an die überwundene Apokalypse. Ab diesem, vor 2.000 Jahren prophezeiten Zeitpunkt, dem jetzigen, gibt es keine »Vor-Schriften« mehr, keine traditionell »verbrieften« Sicherheiten. Alles ist ab jetzt neu.

Einem Dokument, das ich in Anlehnung an das Alte und das Neue Testament das ›Kosmische Testament‹ nennen möchte, wird es vorbehalten sein, den Weg zu ebnen, auf welchem die Vision des Johannes, dem Lieblingsjünger Jesu, in uns und zugleich im Außen Wirklichkeit werden kann.

AUFBRUCH IN DIE NEUE ZEIT

Bevor wir nun aufbrechen in den heiß ersehnten kosmischen Frühling, müssen wir den kosmischen Winter aus unseren Kleidern klopfen. Da ist ein großes Loslassen, das auch mit Schmerzen verbunden sein kann. Es muss bei jedem einzelnen von uns die Bereitschaft vorhanden sein, Abschied zu nehmen von den lebenswidrigen, aber vertrauten winterlichen Lebensumständen, die in einem Frühling einfach nicht mehr dienlich sind.

Als Proviant haben wir das Leben und Wirken von Jesus, seine Lehre, im Gepäck, als Vorbild eines neuen Himmels, eines neuen Bewusstseins. Uns bleibt jener Trost der Allgegenwart, den Jesus seinen Jüngern zum Abschied spendete: »ihr in mir und ich in euch« (Joh 14,20).

Ansonsten stehen wir als Menschengeschlecht auf der Erde zurzeit weitgehend alleine und schein-bar verlassen da. Während des kosmischen Winters haben wir uns der Kryonik, der »Vereisung« unserer Leiber entzogen durch den Zusammenschluss in Stämmen, Sippen, Religionen und spirituellen Wahl-Familien. Zum Schutz vor Einfrierung wurde die Gemeinschaftsbildung das Mittel erster Wahl und am Ende zur angewandten Wissenschaft. Sie produzierte durch Reibung jene physische, emotionale, mentale und spirituelle Wärme, die das Überleben eines jeden Einzelnen in einer als kalt empfundenen Umwelt sicherte.

SPIRITUELLE AVANTGARDE

Wir befinden uns aber gerade im Anbruch eines kosmischen Frühlings mit seinen völlig überraschenden und kraftvollen Energie-Infusionen von Innen und von Außen. Da sollten wir uns vertrauensvoll von der Gewissheit William Shakespeare’s leiten lassen, wonach »der Aufbruch in die Ungewissheit der Wälder sorgenfreier ist, als der falsche Hof« (Wie es Euch gefällt, Akt II, 1. Szene). Jetzt ist es immer die Tat von Einzelnen, die unter dem Auge Gottes als erste mit Wagemut und großem Herz heraus-treten aus den wärmenden Verbünden, und neue Wege einer neuen physischen, seelischen und geistigen Umwelt und Ernährung erforschen.

Diese Einzelnen tun dies als Template, als Muster und Vorbild zum Wohle von Gaia und all denjenigen, die dann folgen werden. Zugleich gilt es, Seelen, die sich erfahren und reif genug für die Aufgabe fühlen, mit dem Pioniergeist einer spirituellen Avantgarde vertraut zu machen. Hier liegt eine der wesentlichen Aufgaben für den heutigen Lehrer. Es wird immer mehr jene Lehrer geben, die für die Menschen die Brücke bilden zu ihrer eigenen ICH BIN-Gegenwart.

Andere wird er lehren, die Verbindung zu ihrem Hohen Selbst auf ihre Weise herzustellen und dieses Wissen wiederum an andere weiterzugeben. Wir sprechen hier von einer »Spiritual Leadership«, die sich nicht mehr aus einer Dominanz niederer Selbste (kosmischer Winter) speist, sondern aus der Freude am Erforschen der Freiheit eines multidimensionalen Einheits-Bewusstseins im kos-mischen Frühling des Wassermann-Zeitalters.

Dass sich die geistige Welt langsam aus der aktiven Unterstützung der Menschen zurückzieht, ist hier nur die eine Seite der Medaille. Im gleichen Zuge rücken wir auch wieder zusammen. Denn die Fülle von kosmischen Energie-Spritzen, die Vielzahl von Energie- und Licht-Portalen Woche für Woche führen zu einer Anhebung unserer Schwingungs-ebenen, die bis in unsere Zellen hinein wirkt und selbst unsere DNA erweitern.

Durch den Rückzug der geistigen Welt ›erwachsen‹ wir ganz natürlich und organisch immer mehr in unser eigenes ›Erwachen‹ hinein. Damit nimmt auch der Abstand zwischen uns als Menschen auf der Erde und der Ebene der Meister und Engel rapide ab. Neben dem Reifegrad unseres Seelen-Alters ist es ist letztlich nur noch der Entwicklungsstand unseres Bewusstseins, der uns wie ein transluzenter Vorhang voneinander trennt.

DER SCAFFOLDER

Zum besseren Verständnis dessen, was wir unter dem Pioniergeist einer spirituellen Avantgarde verstehen können, habe ich die Metapher vom Gerüst-bauer, (engl. Scaffolder), erhalten.

Es ist unser Selbst, das jeweils den Raum des Bewusstseins erschafft, in welchem die Ereignisse stattfinden, die wir beanspruchen, um daran zu wachsen. Es ist wiederum unser Selbst, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beschließt, die gewohnte Bewusstseinsebene zu verlassen, um in die nächst höhere Ebene von Bewusstsein aufzusteigen. Unser Selbst gleicht da in der Metapher des Bewusstseinshauses einem Gerüstbauer.

Der Scaffolder errichtet die tragende Grundstruktur des Raumes, der unser Bewusstseins ist. Es ist nicht falsch, sich hierbei das Bild eines Arbeiters zu vergegenwärtigen, der unter Einsatz seines Lebens in luftiger Höhe Stützen und Träger so miteinander verbindet, dass eine räumliche Grundstruktur entsteht, die dann mit Decken und Wänden so auf-gefüllt wird, dass Nutzflächen und Räume entstehen für menschliches Leben, welches in Form von Lebens- oder Arbeitsgemeinschaften nachfolgt.

Der Scaffolder ist komplett auf sich allein gestellt, steht völlig in seiner eigenen Verantwortung, im eigenen Risiko. Er muss in sich selbst total ausbalanciert sein, seine niederen Selbste völlig unter Kontrolle haben. Der Scaffolder ist absolut frei von jeder Angst und steht damit zweifellos vollkommen in der Liebe. Er ist ein athletisch gebauter Artist, Akrobat und Abenteurer. Kein Opfer und kein Täter, sondern ein Meister seines Schöpfertums bis zum letzten Atemzug.

SPIRITUAL LEADERSHIP

Und: er ist immer der Erste. Denn dort, wo er sich aufhält und voranschreitet, war vor ihm noch kein menschliches Wesen. Er wandelt hier im Unbekannten, ohne Hinweisschilder oder Richtungsanzeiger. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes der Pionier des »neuen Bewusstseins«, das er soeben miterschafft. Er ist der Pionier des »neuen Himmels« und der »neu-en Erde« als den biblischen Kategorien für das erweiterte Bewusstsein einer neuen Zeit. Der Scaffolder, der Gerüstbauer, ist die Metapher für eine spirituelle Avantgarde der Freiheit, einer Freiheit, die aus der Liebe kommt und in der Liebe steht.

Wenn nun eine neue Ebene von Bewusstsein erschaffen ist, das Gerüst einer neuen Etage im Haus unseres Bewusstseins, dann steht unser Selbst, dieser Scaffolder erstmal ohne jede Sicherung da. Aber es ist nicht wirklich Angst, die hier oben herrscht. Er ist nur unterwegs ohne die gewachsenen Strukturen, die ihn auf der Ebene darunter noch stabilisiert hat-ten. Hier heißt es zunächst, im Gleichgewicht zu bleiben. Karma ist zu einem hohen Prozentsatz ba-lanciert. Denn ein Anlehnen an die Vergangenheit würde ebenso zum Fall führen, wie eine Flucht in die Zukunft. Alles ist hier reine Gegenwart, die im HIER und JETZT von Moment zu Moment sich selbst entfaltet. Jede Handlung ist schöpferisches, multi-dimensionales Tun, alles wird zum allerersten Mal gemacht. Alles geschieht hier, während es erschaffen wird.

UNSER NEUER BUND MIT GOTT UND DIE GÖTTLICHE MUTTER

Nehmen wir einmal das Selbst unseres Scaffolders und die Frage nach unserem Bund mit Gott zusammen, dann wird dieser vierte Bund mit Gott ein Bund sein, den wir nicht mehr mit einem Gott außerhalb und getrennt von uns schließen werden, sondern mit und in uns selbst, mit dem Gott in uns. Diese innere Stimme muss natürlich einwilligen. Auch hier gibt es Arbeit zu tun.

Das Erwachen zu dem, der wir in Wirklichkeit sind, bedeutet, einen ›verbindlichen‹ Bund mit unserer eigenen Göttlichkeit einzugehen. Es ist dies ein Bund der bedingungslosen Selbstliebe, ein Bund der bedingungslosen Akzeptanz von ALLEM-WAS-IST, und ein Bund der bedingungslosen Vergebung. Das mag vielleicht erschrecken, deshalb eine Warnung gleich vorweg: Einmal geschlossen kann dieser Bund nicht mehr gelöst werden.

Aber hierbei sind wir gottlob nicht alleine. Wir schließen diesen Bund unserer eigenen Freiheit vor den Augen der Göttlichen Mutter. Denn mit ihr zusammen und mit Jesus in unserem pochenden Herzen brechen wir auf in den kosmischen Frühling eines multidimensionalen Bewusstseins der JETZT-Zeit.

>>> Artikel als PDF herunterladen