Die Pforte der Selbstliebe

Tore oder Pforten sind, räumlich gesprochen größere Öffnungen in Mauerwerken oder Gebäuden. Sie markieren Eingänge, die in der Regel verschlossen und nur zu festgesetzten Zeiten geöffnet werden. Manche Tore lassen sich auch durch Klopfen an der Tür der Pforte öffnen. Der Durchgang durch eine Pforte kann sich singend und tanzend vollziehen. Er kann in andächtiger Stille stattfinden oder in freudiger Erwartung.

In ihrem spirituellen Gehalt durchschreiten wir eine Pforte meistens dann, wenn wir vor einer Entscheidung stehen. einer Gabelung unseres Lebensweges. Wenn uns das nicht mehr genügt, was wir vor dieser Pforte vorfinden, und wir zugleich hinter der Pforte etwas Verheißungsvolles vermuten, erwarten oder in weiser Voraussicht erahnen. Etwas, das einen Sog auf uns ausübt. das uns anzieht, ohne dass wir um seine wirkliche Ursache wüssten.

Einige dieser Tore können wir mehrmals durch laufen. Andere wiederum werden nur einmal durchschritten. Hier gleicht der Gang durch eine Pforte dann einer Initiation. einer Einweihung, einem Test in der Meisterschaft. Wirst du tatsächlich das Wagnis auf dich nehmen und die Pforte vollständig durchschreiten oder bleibst du auf halbem Wege stehen und kehrst wieder um. brichst den Durchgang ab. aus welchen Gründen auch immer? Hast du die Pforte aber einmal durchschritten, wird die Türe hinter dir wieder verschlossen, das heißt, es gibt dann häufig kein Zurück mehr.

Die Pforte der Selbstliebe ist die Basis aller Liebe. Sie ist die Grundlage für die Liebe zu einem anderen Menschen ebenso wie für die Gottesliebe. Mit Abraham und Moses haben die Menschen gelernt, einen Gott zu lieben, mit Jesus kam für die Menschen hinzu, dass die Liebe sich auch zwischen den Menschen ereignen kann und darf. Und heute, im Anbruch eines neuen Zeitalters, sind wir vor die Aufgabe gestellt. die Liebe zu uns selbst zu erlernen. Nur aus der Selbstliebe heraus sind wir in der Lage, unsere Liebe auch auszudehnen hin zu einem anderen Menschen und zu einem Gott zu transzendieren. Wer nicht in der Selbstliebe ist, wird das Doppelgebot der Liebe verfehlen. Gott zu lieben sowie seinen Nächsten. Das belegen die zahllosen Dramen in zwischenmenschlichen Beziehungen. „Liebe Deinen Nächsten, wie dich selbst‘ wird nicht erfüllt, wenn wir nur den Nächsten lieben und uns dabei vergessen, unterordnen, vernachlässigen, sondern erst dann, wenn wir uns selbst rückhaltlos lieben. In einem Gebots-Katalog der neuen Zeit rückte das Gebot der Selbstliebe an die erste Stelle.

Wir müssen aber fragen, welches Selbst wir meinen, wenn wir davon sprechen, dass wir unser Selbst lieben. Denn wir haben nicht nur ein Selbst, dass liebevoll anzunehmen wir lernen müssen. Auf einer materiellen, biologisch-physikalischen Ebene ist es unser Körper-Selbst, das mit Liebe versorgt sein will. auf der subtilen Ebene ist es unser mentales, emotionales und Erinnerungsselbst, auf der kausalen, spirituellen Ebene unser Geist-Selbst. dem wir uns mit jeweils ganz spezieller Nahrung liebevoll zuwenden müssen.

Auszug aus dem Buch: Der Duft der Freiheit. OpenCIoud Press

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